"Paare aus dem Katalog"
aus: zitty 18/2007, S. 126, Berlin
Mi., 29. August 2005
anlässlich der Ausstellung "I never promised you a rose garden!"
von Peter Freitag
4. August bis 1. September 2007
Galerie Krammig & Pepper Contemporary
Torstrasse 138
D - 10119 Berlin
Peter Freitag baut Fotos von Beziehungsdramen
Bildunterschrift:
So schön kann Liebe sein: aus der Serie "Bader", Pigmentdruck,
2006
Grenzen zwischen Realität und Bild verschwimmen. Der Inszenierung
von Wirklichkeit mit der Kamera sind durch die Digitalisierung schier
endlose Möglichkeiten der Manipulation zugewachsen. Der Fotograf
Peter Freitag, geboren 1972 in Ochsenfurt, ausgebildet in Stuttgart und
Berlin, wo er heute lebt und arbeitet, macht sich die digitale Bearbeitung
aus kritisch-künstlerischer Sicht zunutze. Sein Ausgangsmaterial
sind nicht eigene, sondern vorgefundene Fotos. Sie stammen aus Katalogen
von Reisebüros (wie in der Serie „Examples for Communication"),
aus Produktangeboten eines Internetversteigerers („Ebays"),
von Pornoseiten im Netz („Private Stages") oder aus Warenhauskatalogen
(„Scenes for Life").
Die Arbeiten in der Galerie Krammig und Pepper stammen aus letztgenannter
Serie. Sie hat zwei Teile, nach den Modeversandhäusern „Conley"
und „Bader" genannt (im Katalog wohl als RAFsche Fehlleistung
konsequent „Baader" geschrieben): farbig und großformatig
die erste, schwarzweiß und kleiner die zweite. Freitags Arbeitsmethode
ist komplex. Er schneidet einzelne Figuren aus und klebt sie auf Plexiglasscheiben,
platziert sie dann in verschiedenen Abständen vor einem räumlichen
Hintergrundbild, beleuchtet sie und nimmt sie in Mehrfachbelichtung auf.
In der Regel handelt es sich um eine Frau-Mann-Konstellation: oft steht
sie im Mittelgrund, er vorne als Silhouette. Sie ist deutlich zu erkennen,
er in Rückansicht.
Aus stereotyp-idealen Produktaufnahmen mit meist wiederkehrenden Modellen,
die zum Kauf von Kleidung oder Möbeln animieren sollten, sind neue,
an Standfotos erinnernde Szenen entstanden. Die Personen, zuvor meist
einzeln zu sehen, beginnen nun eine dialogische Beziehung, doch ist diese
so undurchschaubar und geheimnisvoll, wie es auch die Räumlichkeiten
sind. Weichgezeichnete Konturen und verschwommen tonige Farbigkeit, stehen
gebliebene Arbeitsspuren und transparente Elemente wie Markenzeichen oder
Schrift erzeugen eine fast surreale Atmosphäre. Freitag überführt
die glatten Werbeversprechen unter bewusstem Einbezug ihres Montagecharakters
in neue dramatische, ambivalente Zusammenhänge, die sperrig und ungelöst
im Gedächtnis bleiben.
Michael Nungesser
Bis 1.9.: Galerie Krammig & Pepper Contemporary, Torstr. 138, Mitte,
Di-Sa 11-18 Uhr, www.krammig-pepper.de
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